Timber
vom Saulus zum Paulus?











Nicht immer erleben wir, dass der neuer Mitbewohner -Katze/Kater- sich problemlos in eine vorhandene Katzengruppe integriert.

Da Timber in unserer Katzengemeinschaft vorgibt, ein "Sausäckchen" zu sein- versuche ich mal, sein Verhalten und seine bisherige
Entwicklung in nun 4 Jahre und fast 8 Monate, zusammen zu fassen.
Vielleicht entdeckt ja "der eine oder andere" Ähnlichkeiten im Verhalten "seines" Sausäckchens!

Am 16.01.2009 haben wir Timber aus dem Tierschutz übernommen - und genau ab diesem Tag versuchte Timber unsere "Altkatzen"
aus "seinem" Revier zu vertreiben. Sein Vorhaben erstreckte sich hierbei nicht nur auf die Räume im Haus, sondern auch auf
den gesicherten Freilauf.
Knapp 10 Monate jung und offensichtlich mit viel Selbstbewusstsein ausgestattet, versuchte Timber, sein Ziel zu erreichen,
hierbei schien ihm jedes Mittel recht zu sein.

Weitere Taktiken:
  • den Rivalen/Rivalin auf dem KaKlo-
  • aus dem Hinterhalt-
  • im Schlaf-
  • oder einfach "unterwegs"
zu überfallen.
Zimperlich war er hierbei weiß Gott nicht!

Mun und Luna tolerierte Timber von Anfang an, offensichtlich mag er Hunde!

Gerd und mir gegenüber verhielt Timber sich vom ersten Tag an schmusig- allerdings nur, wenn es nach seiner Vorstellung ablief:
  • nur Timber durfte schmusen-
  • wir ihn nicht
Wurde diese Regel mal nicht beachtet, folgten Krallenhiebe oder auch der Versuch, zu beißen.

Durch Timbers Verhalten waren unsere Katzen natürlich verwirrt und verunsichert, eine Zeit lang war Fauchen und Knurren an
der Tagesordnung.

Nach einigen Wochen änderten die Altkatzen ihr Verhalten, der Bestand teilte sich in Gruppen auf

  • in die, die sich wehrten
  • in die, die sich ängstlich verhielten
  • und in die, die neutral blieben.
Ich fand bald heraus, dass ein "nein, Timber" ihn auf der Stelle stoppte- und er sich bei diesem "Befehl" wie ein Hund hinlegte-
bzw. von seinem Vorhaben abließ. Hiermit konnte ich manch aufkommenden Streit und Angriffe abbiegen. Später gelang mir das
auch mit einer Kordel, Schnur oder einem Ball. An sonstigem Katzenspielzeug zeigt Timber kaum Interesse.

In 2009 lebten Micki, Tommy, Job, Dixie, Cry und Kaya noch. Als Senioren wurden Mickiund Tommy von Timber nach kurzer Zeit
respektiert- ebenso Kaya, die ihm in ihrer ruhigen- aussagkräftigen Art, mal kurz gezeigt hat, wo es lang geht.

Mit Cry verband ihn bald eine lockere Freundschaft. Und Job wurde von allen geliebt, daran kam auch Timber nicht vorbei.
Auffällig war, dass Timber unseren blinden und auch kranken Moritz vollkommen in Ruhe ließ, eine Zeit lang hatte ich den Eindruck,
dass er Moritz beschützen wollte. Allerdings weiß Moritz sich trotz seiner Behinderung auch gut zu wehren.

Sam gab sich Timber gegenüber von Anfang neutral-abwartend, bis Timber ihn ohne Grund einmal hinterhältig überfallen hat. Sam
hat das nie vergessen, die beiden sind also keine Freunde geworden.

Eigentlich hätte jede unserer Katzen Timber seine Grenzen zeigen müssen- das braucht er offensichtlich. Doch sind/waren nicht alle
so selbstbewusst, wie Kaya es war.

Im August 2009 kam Jesco (Hund) im jugendlichen Alter von knapp vier Monaten zu uns. Timber war hin und weg. Endlich ein
Spielkamerad nach seiner Vorstellung- und in seiner Größe! Die beiden wurden unzertrennlich. Ein ungleiches Paar, doch es war
sehr schön, ihnen im Miteinander zu zusehen. Ein weiterer Vorteil: durch Jesco war Timber von den anderen Katzen abgelenkt.

Von Januar 2009 bis Ende Oktober 2011 haben wir sehr oft überlegt, Timber zurück zu geben, die gewohnte Harmonie wollte sich
nicht wieder einfinden. In kleinen Schritten hatte sich zwar einiges in Timbers Verhalten zum Positiven gewandelt, doch unseren
scheuen, ängstlichen Gino wollte/will er nicht akzeptieren- und jagt- bzw., verscheucht ihn, sobald er ihn sieht.
Feli und Selina haben diese Erfahrung ebenfalls machen müssen. Infolge haben sich die Beiden mehr und mehr zurückgezogen.

Doch, wir haben es einfach nicht fertig gebracht! In den fast 2 Jahren hatte ich bei Timber unter Mithilfe von Zylkene und
gelegentlich auch Rescue-Tropfen in kleinen Schrittchen einiges erreicht- und erkannt, dass Timber sich bemühte- und unsere Liebe
wollte. Eine angefangene Bach-Blüten-Therapie habe ich nicht weiter durchgeführt. Instinktiv fühlte ich, dass Timber aus sich selbst
heraus lernfähig war, das zu nutzen erschien mir real und von Dauer. Außerdem hatte ich "aus dem Bauch heraus" den Eindruck, dass
in Timber viel mehr steckt, als wir in der ersten Zeit erkannt haben.

Zusammenfassung

(Zeitraum vom 16.04.2009 bis ca. Okt. 2011)

  • Die Versuche, die Altkatzen zu verjagen- oder hinterhältiges Überfallen
    wurden mit der Zeit weniger.
  • Timber lief nicht mehr so oft wie ein "wachsamer Hausmeister" durch das
    Haus, sondern gönnte sich zwischendurch ein Schläfchen oder Ruhepausen.
  • Schmusen verlief nicht mehr grundsätzlich einseitig, wohl dosiert ließ' er sich
    im Kopfbereich streicheln. Mehr war zu dieser Zeit nicht gestattet.
Diese wesentliche Fortschritte- wenn auch über einen längeren Zeitraum erreicht- führe
ich im Wesentlichen darauf zurück, dass
  • Timber ausgesprochen lernfähig ist und genügend Zeit
    und Grund bekam, sein Verhaltensmuster zu ändern
  • Dass in ihm auch soziale Anteile vorhanden sind
  • Das "Verbot" -nein, Timber- konsequent anzuwenden
    oder ihn in entsprechenden Situationen abzulenken,
    gerne auch mit einem Leckerli- dann aber immer in
    Gemeinschaft mit den anderen, bez. für alle
  • Viel Aufmerksamkeit, viel Liebe schenken
Ende Oktober 2011 haben wir Trebi und Lenny im Alter von knapp 7- und 6 Monaten übernommen. Sie wurden von "Hund und Katz"
bereitwillig aufgenommen- außer von Timber. Er ignorierte die Beiden und mied ihre Nähe, 14 Tage ging' das so, dann war
Timber wieder präsent, saß in der Nähe der Kleinen, beobachtete sie- schien ihr Tun zu studieren. Kurze Zeit danach konnten wir
zu unserer großen Überraschung erleben, dass Timber tatsächlich mit Trebi und Lenny spielte und sich von den Kleinen eine Menge
gefallen ließ. Das hatten wir bis dahin noch nicht erlebt. Er spielt eigentlich nie, seine Beschäftigung besteht mehr im Jagen- ob Maus,
Vogel oder Blindschleiche! Die Art, wie er mit Trebi und Lenny spielt lässt ahnen, dass Timber nicht mit Kitten/Katzen aufgewachsen
war. Meine Vermutung ist, dass er bis zur Aufnahme in den Tierschutz mit Hunden zusammen lebte. Doch er lernte schnell von den
Lütten- auch, seine Kraft vorsichtig einzusetzen- und wir erlebten das erste Mal, dass er zu seinen Artgenossen zärtlich sein konnte.
Das wiederholte sich, als im letzten Jahr Kiba, Naif und Murdock bei uns eingezogen sind. Leider klappt es nicht wie erhofft mit
Abelardo. Die Beiden sind gleichaltrig und ich vermute, dass Timber deswegen wieder auf "Rivale" geschaltet hat.

Die derzeitige Situation:
Timber, Trebi, Lenny, Kiba und Naif bilden ein Team

Murdock hält zu Timber Abstand, lässt sich aber nicht von ihm beeinträchtigen

Sam, Moogli und Abelardo gehen Timber aus dem Weg- bzw. nutzen die Zeit, in der
Timber schläft oder sich anderweitig im Haus oder im Freilauf aufhält.
Die Drei sind also immer dort, wo Timber gerade nicht ist.

Vor Sam und Moogli zeigt Timber inzwischen Respekt, die Beiden haben ihn schon
öfters die "geballte Pfote" spüren lassen, das wirkt!

Abelardo, unser "Taktiker" nutzt inzwischen ebenfalls die räumliche Abwesenheit von
Timber oder hält sich in meiner Nähe auf.

Leider leidet Gino nach wie vor unter Timbers Attacken, zum Glück kommt das nicht
mehr so oft vor, wie in den ersten Jahren. Traurig ist, dass unsere sonst so friedlichen
Kater Lenny und Murdock auch versuchen, Gino zu verjagen. Gehandicapt durch sein
scheues, ängstliches Wesen schafft Gino es einfach nicht, sich zu wehren. Zum Glück ist
Gino mir gegenüber vertrauensvoll und kommt zum Schmusen auf meinen Schoß. So
kann ich ein wenig ausgleichen.

Feli, Selina und Moritz halten sich in der oberen Etage auf, bei Moritz ist das
krankheitsbedingt, dort hat er seine Ruhe.

Mit viel Geduld und Zeit, Liebe und Leckerchen haben wir es mit der Zeit geschafft, dass Timber sich uns gegenüber öffnet.
Heute können wir ihn zu jeder Zeit auf den Arm nehmen- und seit einigen Monaten kommt er auf meinen Schoß, lässt sich schmusen,
tretelt und nuckelt. Die Dauer der Zuwendung bestimmt er nach wie vor selbst- doch ist diese viel länger geworden. An sozialen
Aspekten konnten wir bei Timber beobachten, dass er den jüngeren Katzen am Futterplatz den Vortritt lässt und ihnen, als sie noch
im Kittenalter waren, "Lernbeute" brachte. Sein auserkorener Schützling ist Naif. Sind die beiden zusammen unterwegs, hält Timber
sich immer in gebührenden Abstand bei Naif auf-so, als ob er ihn beschützen wolle.

Eine Bachblüten-Therapie für Timber und Betroffene habe ich nach wie vor im Sinn. Vielleicht erreiche ich hiermit in den betreffenden
Punkten doch noch eine Besserung.

Vier Jahre und fast acht Monate- eine lange Zeit! Doch nicht nur Timber- auch wir haben wieder mal dazu gelernt!

30.08.2013



















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zuletzt aktualisiert am 29.08.2013