Gino
(geboren: 01.April 2000)






Gino in Manresa


    Nach dem Tod unseres Katers Tim haben wir uns am 31.12.2001 entschlossen, Gino aus dem Tierheim Manresa zu uns zu nehmen. Gino war ein Jahr alt, als er vom Tierheim Manresa aus der Auffangstation übernommen wurde. Im Tierheim verbrachte Gino ein weiteres Jahr bis zu seiner Abreise nach Deutschland.

    In der Winterzeit gibt es von Spanien nach Deutschland weniger Transportmöglichkeiten, als zu den übrigen Jahreszeiten. Daher folgte eine längere Zeit des Wartens. Dann, Mitte März 2002 kam endlich die ersehnte Nachricht über die Ankunft von Gino am frühen Morgen des 02.03.2002. Vor Erwartungsfreude war in dieser Nacht an Schlaf kaum zu denken. Immer wieder kehrten die Gedanken zu Gino zurück, begleiteten ihn auf seinem Weg zum Treffpunkt.

    Nach der Übernahme von Gino gaben wir ihm zu Hause Gelegenheit, die lange Autofahrt von Spanien nach Deutschland alleine - bzw. ohne Störungen durch unsere anderen Katzen zu verarbeiten. Bei unseren Kurzbesuchen tagsüber trafen wir ihn in den ersten zwei Tagen meist schlafend an. Nur die leeren Tellerchen zeigten, dass er zwischendurch seinen Schlaf unterbrochen hatte. Im Tierheim Manresa war Gino dem Menschen gegenüber als scheu bekannt. Unseren zaghaften Versuchen, ihn zu streicheln zeigte er sich jedoch keineswegs abgeneigt - im Gegenteil! Der Ausdruck seiner Augen verriet Freundlichkeit und Interesse an dem, was um ihn herum passierte.

    Am übernächsten Abend nahmen wir Cry mit zu Gino hinein. Die Beiden kennen sich ja aus dem Tierheim Manresa, lebten dort einige Zeit zusammen (s. Erfahrungsbericht Cry u. Sam). Auf die Reaktion waren wir sehr gespannt. Diese war ganz unterschiedlich. Als wir in den Raum kamen, turnte Gino auf dem höchsten Punkt einer "Mehr-Etagen-Schlafhöhle" herum. Er sah Cry und sprang aus 1,90 Meter Höhe direkt auf ihn zu, begrüßte ihn durch eifriges und lautes Schnuppern, untermalt mit einem lang anhaltenden Ton, kein Zweifel - die Sprache der Manresanerkatzen. Gino war offensichtlich hoch erfreut. Mit "Köpfchenreiben" und "Vorderbeinchen" um den Hals legen versuchte er Cry an ihre gemeinsame Zeit zu erinnern. Cry hingegen fauchte nur, wehrte Gino aber nicht gänzlich ab.

    Das Verhalten von Cry war für uns durchaus logisch. Nach fast einem Jahr bei uns nahm er plötzlich einen Geruch wahr, der ihn an die Zeit von fünf Jahren im Tierheim erinnern mußte. Sein passives Verhalten hielt aber nicht lange an, er schien sich bewußt an Gino zu erinnern. Sam sah in Gino zunächst nur den Fremden, er hatte im Tierheim Manresa ja nur eine relativ kurze Zeit verbracht. Also wurde erst einmal wichtig geknurrt und gefaucht. Schließlich weiß man ja, was man sich als Jungkater schuldig ist. Gino ignoriert Sams Verhalten. Um Überleben zu können hatte er als "Freigänger ohne Zuhause" lernen müssen, mit seinen Schicksalsgenossen auf der Straße auszukommen. Cry verhält sich in Puncto Diplomatie nicht anders.

    Gino u. Cry


    Im Gegensatz zu Cry nahm Gino die Bequemlichkeiten eines sicheren Zuhauses recht bald an - kurz, er zierte sich nicht. Der Grund hierfür könnte sein, dass Gino um einige Jahre jünger als Cry ist - und daher vermutlich wenige negative Erinnerungen verarbeiten muß. Gino ist nun seit acht Monaten bei uns, er hat wie Cry sehr viel Nachholbedürfnis hinsichtlich menschlicher Zuwendungen, zeigt sich mit allen Katzen verträglich und bangt jeden Morgen und jeden Abend um sein Futter.

    Da wir feste Fütterungszeiten haben, versammeln sich unsere Samtpfoten jeweils ca. eine Viertelstunde davor am gemeinsamen Essplatz. Acht paar Augen scheinen zu beobachten, ob ich nun auch endlich mit den Vorbereitungen anfange. Ist es dann soweit, meldet Gino sich ohne Unterbrechung in seinem langgezogenen Manresaner-Dialekt. Hierin hat er Cry abgelöst. Dieser ist sich inzwischen seiner Mahlzeiten sicher - Gino wird es in ein paar Monaten auch sein. Hin und wieder wird Gino von Cry und Sam gesanglich unterstützt - ein filmreifer Moment. Obwohl Cry, Sam und Gino sich gut mit den "angestammten Katzen" vertragen, bilden die Manresaner doch eine geschlossene Einheit - jeder für sich hat die gleiche Vergangenheit.

    Gino





    Auch Gino wurde aufgrund seines scheuen, ängstlichen Wesens als schwer vermittelbar eingestuft. Inzwischen hat er uns genau wie vor ihm Cry eines Besseren belehrt. Ginos Freude darüber, uns nach dem Aufstehen am frühen Morgen - und später, wenn wir nach der Arbeit wieder zu Hause sind - begrüßen zu können, ist offensichtlich. Hierfür spricht nicht zuletzt seine lang anhaltende akustische Begrüßung, zärtliches "Knibbeln" an den Händen und Armen gehören zum Standart. Als Gegenleistung dürfen wir ihn ausführlich streicheln und kraulen. Da kommt es doch schon mal vor, dass die anderen - inzwischen acht Katzen - anstehen müssen.


    In den zurückliegenden siebzehn Jahren haben wir mehrere Katzen aufgenommen, die als scheu und ängstlich galten. Nach unseren Erfahrungen wird dieses Verhalten in der Sicherheit des neuen Zuhause nach entsprechender Eingewöhnungszeit fast immer abgelegt. Es lohnt es sich auf jeden Fall, auch einem "Sorgenkind" eine Chance zu geben.














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    zuletzt aktualisiert am 25.08.2012