Feli
(01.07.1999 bis 27.03.2014)






Feli


    Mein Bruder und ich saßen dichtgedrängt in der hintersten Ecke einer Katzenhöhle. Außer uns befanden sich noch ca. 20 Babykatzen - für die keine Katzenmutter mehr sorgen konnte - in dem kleinen, überheizten Raum. Immerhin waren wir beide zu diesem Zeitpunkt schon dreieinhalb Monate alt und fühlten uns durch die Kiddy's ganz schön genervt. Erleichtert atmeten wir auf, als sich plötzlich die Tür öffnete. Doch im nächsten Moment zuckte ich erschrocken zusammen und drängte mich noch tiefer in meine Ecke. Mein Bruder rückte verängstigt nach, dadurch war ich kaum noch zu sehen. Außer unserer Pflegemutter betraten noch zwei weitere, uns fremde Zweibeiner den Raum. Wir hatten schreckliche Angst.

    Ich weiß nicht mehr was wir erlebt haben, aber die merkwürdigen Vorderpfoten der Zweibeiner erwecken in meinem Bruder und mir große Panik. Mit allen Mitteln versuchten wir den "Menschen-Pfoten" zu entkommen. Hierbei setzten wir natürlich auch unsere Krallen und Zähne ein. Wir fauchten kräftig und bemühten uns sehr, unserem Namen "Spucki" alle Ehre zu machen. Trotzdem sah es zunächst so aus, als ob mein Bruder und ich getrennt würden. Obwohl er das kleinere Zweibein kräftig in die Hand biß, blieb das Interesse an ihm. Entsetzt sah ich dass sie ihn in einen Korb setzten. Sollte ich wirklich mit den Babys alleine bleiben? Das schien mir beinahe noch schlimmer zu sein, als meine Angst vor den so seltsam auf den Hinterbeinen aufrecht gehenden Zweibeinern. In diese Verwirrung hinein wurde ich plötzlich hochgenommen und an meinem rückwärtigen Körperteil begutachtet. Ja, hörte ich unsere Pflegemutter sagen, dass ist auch ein Kater. Empört wehrte ich mich gegen den festen Griff: Ich war eine Katze - und kein Kater! Bevor ich den Gedanken los werden konnte, fand ich mich in dem Transportkorb neben meinem Bruder wieder.




    Ich soll ein Kater sein? Das konnte unsere Pflegemutter doch nicht ernst gemeint haben - oder hatte sie nur einfach eine Chance für ein Zuhause für mich entdeckt? ! Aber was würde aus mir werden, wenn sich der kleine Irrtum aufklärt? Die beiden Dosis hatten meiner Pflegemutter nämlich erklärt, dass einer ihrer Kater von Mädchen nicht begeistert wäre.

    Während der Fahrt zu unserem neuen Zuhause hörte ich unsere künftigen Namen - Mikesch und Felix. Dort angekommen versteckten wir uns eng aneinandergekuschelt hinter einer Standuhr, wo wir die nächsten zwei Tage auch blieben. Langsam wurden wir dann doch neugierig, schlossen uns den anderen Katzen an. Zu dieser Zeit kam ich gut mit Speedy und Moritz zurecht, sie waren ja nur ein Jahr älter als wir. Eine Katastrophe bahnte sich für uns an, als unsere erste Impfung bevorstand. Freiwillig wollten wir natürlich nicht in die Transportboxen, ein hektisches Durcheinander war die Folge. Leider hat dies alles nichts genutzt, der Besuch beim Tierarzt war uns sicher. Ein gutes hatte die ganze Aktion - nun wissen alle, dass ich ein Mädchen bin und- ich durfte in meinem neuen Zuhause bleiben! Selbstverständlich heiße ich seit diesem Tag nicht mehr Felix sondern "Feli".



    Meine Abneigung vor menschlichen Händen habe ich bis heute nicht abgelegt. Auch gehe ich den Katern mehr aus dem Weg, bewege mich in meiner eigenen kleinen Welt. Ab und zu schlafe ich schon mal auf dem Bett der Dosis, höre auch gerne zu, wenn sie mit mir sprechen.

    Mikesch wurde im Alter von neun Monaten sehr krank. Eine Chance zu überleben hatte er nicht.

    August 2002
















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zuletzt aktualisiert am 25.08.2012